Ausflug nach Jerash

Hallo,

fuenf Tage nach dem Anschlag in Amman, der sich aus persoenlichen Motiven gegen eine vermeintliche israelische Reisegruppe gerichtet hat, haben wir uns entgegen dem Wunsch der Verantwortlichendazu entschlossen nach Jerash zu fahren. Erstens wollten wir nach der dritten Schulwoche mit wenig Freizeit mal wieder aus der Schule rauskommen, da uns im Laufe der Woche die freien Abendstunden, wenn die Kinder schlafen, gestrichen worden sind, damit die Jungs nicht allein sind, wenn der Erzieher um 21 Uhr Dienstschluss hat. Zweitens hat sich die Moeglichkeit ergeben, dass wir mit drei Urlaubern aus Deutschland in ihren zwei Campingwagen nach Jerash mitfahren konnten. So haben wir nun unseren freien Freitag mit der Besichtigung der Ruinen der alten roemischen Stadt Jerash verbracht. Durch ein Schreiben der TSS, indem steht das wir kostenlos hier in Jordanien arbeiten, mussten wir anstatt des Touristenpreises von 8 JD, umgerechnet 7 Euro, nur einen halben jordanischen Dinar bezahlen, so dass uns dieser Tag in Jerash kaum was gekostet hat.

Roemisches Stadttor

Stadttor nach Sueden

Forum

Roemisches Forum

Suedliches Amphittheater

Suedliches Amphittheater

Artemis-Tempel

Artemis-Tempel aus der hellenisten Zeit von Jerash

Roemische Stadtstrasse

Roemische Stadtstrasse

...

Hallo,

inzwischen ist das erste Wochenende in Jordanien waehrend der Schulzeit vorrueber, wobei das hier Donnerstagnachmittag und der ganze Freitag bedeutet. Nach den anstrengenden ersten Tagen lagen wir, nachdem die Kinder am Donnerstagmittag nach Hause gegangen waren, faul auf den Sofas im Guesthouse herum. Eigentlich hatten wir vor fuer Susanne, die am Donnerstag Geburtstag hatte, zu kochen, aber wir mussten feststellen, dass unser Herd noch an kein Gas angeschlossen war und es lies sich auch kein funktionstuechtiger Gasbehaelter auftreiben. Daraufhin sind wir ein wenig frueher zum Jordanischen Kurzfilmfestival aufgebrochen, von dem wir im Goetheinstitut in Amman gehoert haben. Es hat in einem Hotel in einem Reichenviertel Ammans stattgefunden und ueberhaupt waren Preise und Leute eher europaeisch. Skurill wurde es fuer mich, als ein Kurzfilm ueber Schicksale weiblicher Gastarbeiter aus Sri Lanka in reicheren libanesischen Haushalten gezeigt wurde. Man hatte das Gefuehl, dass der Grossteil der arabischen Gaeste sich von einer solchen Angestellten unter meist miserablen Bedingungen zu Hause bedienen lassen.

Am Freitag waren wir von zwei ehemaligen Schuelern der TSS eingeladen, die jetzt auf eine weiterfuehrende Schule gehen. Beide hatten bei einem Workcamp von der badischen Kirche und den Schneller-Schulen teilgenommen, bei dem auch Susanne dabei war. Die Vermutung, da wir einen netten Tag, bei ihnen auf der Bude verbringen wuerden, bestaetigte sich nicht. Vielmehr wurden wir mit dem Auto abholt und zu den Eltern von einem der beiden gefahren, wo die Familien der beiden auch anwesend waren. Ich habe erlebt, was es kulinarisch bedeutet in Jordanien eingeladen zu sein. Das Essen, auch in der Menge, war im Vergleich zu den Moeglichkeiten in der kleinen Kueche hervorragend. Allerdings haben Evi, die gerade erst angekommen ist, Johannes und ich nur wenig von der Fuersorglichkeit der arabischen Gastfreundschaft mitbekommenn. Vermutlich lag das daran, dass das Interesse eher an Katharina und besonders Susanne lag, sowohl von den beiden Schuelern auch von deren Eltern. Wie weit nun das Interesse geht, ist uns allen noch nicht klar, auch wenn wir ab der Rueckfahrt und den Rest vom Freitag heftig hin und her spekuliert haben.

Am Samstag kamen die Jungs um 7 Uhr in die Schule. Ich musste fuer sie die Tuer zu unseren Raeumen aufschliessen, damit sie ihr Gepaeck abstellen konnten. Vormittags waren wir nochmal in Marka, der Vorstadt von Amman, an die die TSS grenzt. Nachmittags war natuerlich Freizeit, weil am Sonntag keine Schule in der christlichen TSS ist und somit die zweistuendige Studytime am Nachmittag ausgefallen ist. Um sechs Uhr abends bin ich noch schnell mit fuenf Jungs aus meiner Gruppe nach Marka gefahren, damit sie ein wenig von ihrem Taschengeld ausgeben koennen, auch als Belohnung fuer ihr positives Verhalten waehrend der Woche. Seitdem werde ich von den anderen Jungs andauernd gefragt, ob sie denn naechsten Samstag mitgehen duerfen. Der Ausflug hat eine Stunde gedauert und ist mit meinen bescheidenen Arabischfaehigkeiten ueberraschend gut verlaufen.

Am Sonntag durften alles zwei Stunden laenger bis 8 Uhr schlafen. Von dieser Moeglichkeit schien in unserer Family nur ich Gebrauch gemacht zu haben. Nach dem Fruehstueck-Picknick mit den anderen Familien im Innenhof des Boarding Houses haben sich die Jungs total herausgeputzt und Hygiene-Artikel hevorgeholt, die ich nie bei ihnen vermutet haette. Aber schliesslich stand fuer die christlichen Jungs um 10 Uhr Gottesdienst auf dem Programm. Da es sich um eine episkopale Einrichtung handelt, war auch fuer mich der Gottesdienst etwas neues. Die Freiwilligen und die Erzieher mussten bei ihren Kindern sitzen und das ein oder andere Mal musste ich eingreifen und fuer Ruhe sorgen. Der Gottesdienst hatte vom Ablauf her doch recht viele Gemeinsamkeiten mit einem in Deutschland. Natuerlich werden die Lieder auf Arabisch gesungen, allerdings klang alles ein wenig schraeg, aber es waren schoene Lieder. Auch das Glaubensbekentnis und das Vater Unser habe ich erkannt, zumindest glaube ich dies getan zu haben. Die Predigt war umso ueberraschender. Pfarrer und Direktor der TSS Hanna Mansour hat nicht von einer Kanzel geredet sondern ging nach vorne zu den Baenken und schien zumindest einzelne Kinder zum Nachdenken motiviert zu haben, da er Fragen an die Kinder gestellt hat und dann ihre Meinung hoeren wollte. Viel verstanden habe ich davon allerdings nicht. Eigentlich nur, dass wir fuenf Freiwilligen mal erwaehnt wurden und als das arabische Wort "Namus" gefallen ist, was eigentlich "Stechfliege" bedeutet...

Am Montag ist dann wieder der Schullalltag eingekehrt. Am Vormittag wurden dann endlich die Verantwortlichen der TSS aktiv und sind mit allen anderen Freiwilligen ausser mir ins Krankenhaus gefahren, weil sie seit einer Woche kaum mehr richtig geschlafen haben, da es sie nachts im Bett furchtbar juckt. Auch fuer die Kinder waren die roten Punkte nicht mehr zu uebersehen und immer haeufiger gab es Fragen nach deren Ursache. Allerdings steht die auch nach dem Krankenhausbesuch immer noch nicht fest. Die Vermutung geht in Richtung Milben als auch Floehe. Jedenfalls bekommen die anderen Freiwilligen nun neue Matratzen und Bettwaesche. Ausserdem haben wir ein Spray gegen Insekten gekauft und angefangen damit alles was in den Zimmern kriecht, damit tot zu keulen. Ausserdem gab es bei Johannes' Erzieher, der auch verantwortlich fuer den Internatssport ist, ein morgendliches Krisentreffen, weil eigentlich das neue Sportprogramm an diesem Montag starten sollte, damit nicht nur immer drei Fussbaelle an alle Kinder ausgegeben wird und die dann nur Fussball spielen. Allerdings waren fuer die geplanten Angebote Volleyball, Basketball und Beach-Handball, was ich organisiere, immer noch nicht die Baelle aufgepumpt und die Schule besitzt nur eine lausige Handpumpe. Auch waren meine Handballtore immer noch auf der anderen Seite der Schule. Irgendwie haben die es dann doch geschafft, so dass nun gestern von sechs bis sieben Uhr keine Freizeit mehr ist, sondern betreuter Sport, der auch ein paar Uebungen einschliesst und nicht mehr blosses Gekicke. Mein Beach-Handballangebot hat verhaeltnismaessig gut geklappt. Ich hatte genau die benoetigten acht Jungs, die auch gut mitgezogen haben. Ich bin mal gespannt, ob sie naechste Woche wieder mitmachen...

Vom gestrigen Anschlag moechte ich an dieser Stelle nur soviel sagen, dass wir von der Naehe nun doch ueberrascht sind. Wir sind erst letzte Woche zu Fuss an der Anschlagsstelle vorbeigelaufen, um dahinter in Downtown einzukaufen.
Jedenfalls wurden die Regeln fuer uns verschaerft. Wir muessen immer per Handy erreichbar sein und uns beim Verlassen der TSS immer abmelden. Ausserdem sollen wir uns diese Woche erstmal von Amman fernhalten.

Mir gehts gut und macht euch keine falschen Sorgen. Ich werde die Augen nun aber umso mehr aufmachen.

Viele liebe Gruesse

Euer Matthias

Schulstart

Hallo,

letzten Sonntag war es soweit. Meine freien Tage in Amman waren doch recht ploetzlich zu Ende. Direkt nach dem Fruehstueck musste ich meine Sachen in meinem Zimmer im Guesthouse zusammen schmeissen, um sie dann in mein Volunteer-Zimmer zwischen den beiden Schlafsaelen meiner Wohngruppe oder Family, wie sie an der Schneller-Schule genannt werden, zu transportieren. Ich wohne nun mit 18 bis 20 Jungs im Alter von 14 bis 15 Jahren im 2. Stock des grossen Internatgebaeudes. Mein Zimmer ist recht gross. Es hat einen Schrank, einen Schreibtisch und ein Bett mit Milben. Aber das kennt ihr ja schon.

Das Bad ist fuer viele sicher gewoehnungsbeduerftig. Bisher hat es mich aber noch nicht gestoert. Zu Beginn ist die Haelfte des WC-Spuelwassers neben dem Klo vorbei gestroemt. Nach der Reparatur kam dann gar nichts mehr. Inzwischen funktioniert es jedoch einwandfrei. Beim Waschbecken hab ich beim ersten Mal mich fuerchterlich erschrocken, da der Hahn vor den sporadischen Wasserschueben auffaucht.
Ausserdem habe ich einen grossen Balkon mit der Aussicht auf Amman und auf die groesste freistehende Flagge der Welt. die ihr oben auf meinem Webblog seht. Ausserdem hat die Lage meiner Wohngruppe den Vorteil, dass permanent Wind durch alle Raeume geht, so dass die Luft dort frisch und kuehl ist, was sonst kaum der Fall ist.

Fuer den Nachmittag war dann ein Meeting nach dem anderen angesetzt. Erst beim Leiter des Internats, anschliessend bei Jochen, einem promovierten Sportwissenschaftler, der als Freiwilliger versucht den Sport an der TSS nach europaeischer Art zu modernisieren. Er hat uns seinen Plan vorgestellt, in dem unter anderem vorgesehen ist, dass ich zweimal in der Woche nachmittags nach den Hausaufgaben Fussball fuer diejenigen anbiete, die Lust haben, aber allerdings zu schlecht fuer die Schulmannschaft sind. Ausserdem habe ich mich bereit erklaert Beach-Handball an der Schule einzufuehren.

Um fuenf Uhr sind dann die Jungs mit ihren Eltern angekommen und haben ihre Betten und Schraenke eingerichtet. Es war schon ein ziemliches Chaos. Issa, der Educator meiner Familie, hat es relativ souveraen bewaeltigt. Er ist so der Typ Maerchenonkel, allerdings passt das nicht ganz. Er geht jedenfalls mit den Kindern so um, wie ich es auch bisher in meiner ehrenamtlichen Arbeit getan habe. Auch die meisten anderen Erzieher sind beliebt und verstehen ihr Handwerk. Allerdings pflegen sie ganz unterschiedliche Stile. Und so bin ich froh, dass ich mit Issa zusammen arbeite, denn der autoritaere Generalsstil des Educators der Familie, die unter uns lebt, gefaellt mir ebenso wenig wie der Fussball-Coach-Stil von einer anderen Familie. Ich habe schon am Abend, als die Jungs in den Betten waren, in Absprache mit Issa eine Reihe von Aufgaben uebernommen. So verwalte ich nun das Taschengeld der Jungs, ich bin fuer die woechentliche Aufgabenverteilung zustaendig und auch sonst muss ich viel autonom schon arbeiten, da Issa sich noch um seine eigene Familie zu kuemmern hat. Ich bin nun fuer das Wecken zustaendig, dass hier fuer 6 Uhr morgens angesetzt ist. Ausserdem bin ich immer wenn die Kinder von der Schule kommen, derjenige der da ist, waehrend Isa immer einige Zeit spaeter kommt. Gemeinsam essen wir mit den Jungs zu Mittag ehe es dann fuer eine Stunde ins Schulschwimmbad geht. Dort herrscht ein ziemliches Chaos und Brustschwimmen kann eh keiner. Anschliessend ist Studytime, d.h. Hausaufgabehilfe. Issa kuemmert sich um Mathe, ich um Englisch. Ich habe es inzwischen aufgegeben, die Schueler zum selbststaendigen arbeiten zu animieren. Ich bekomme nur noch den Stift in die Hand gedrueckt und mache dann ihre Englischhausaufgaben, lasse sie das was ich schreibe nachsprechen und ubersetzte den Text ins Arabische. Dabei lernen sie meiner Ansicht immerhin noch ein paar englische Woerter, als das sie vom einzigen Jungen, der es blickt, abschreiben. Apropos schreiben, es ist absolut unmoeglich, den Jungs beizubringen, beim Schreiben das Heft nicht auf den Kopf zu drehen und dass sie eine Luecke zwischen den englischen Woertern zu lassen.
Danach ist bis zum Abendessen eine Stunde freizeiht. Von den ungefaehr zwanzig Jungs wollen ungewoehnlicherweise nur sechs Fussball spielen. Der Rest ist der Figur nach eher wenig an Bewegung in dieser Zeit interessiert. In den ersten zwei Tagen waren ich mit ein paar Jungs beim Pferd der Schneller-Schule. Das erste Mal war es eine Katastrophe. Denn die Jungs fuehlten sich provoziert, als das Pferd in der Kuppel anfing hin- und herzurennen, weil wir soviele Menschen waren. Als sie anfingen Sachen nach dem Pferd zu werfen, musste ich ziemlich energisch werden, damit die Jungs zum Internat zurueckkehrten und das Pferd in Ruhe liessen. Ich habe mir anschliessend geschworen, am naechsten Tag nur mit den vier Jungs hinzugehen, die sich auch dafuer wirklich interessiert haben, weil es auch gefaehrlich war. Am naechsten Tag war es dann auch besser. Die vier Jungs haben das Pferd gefuettert und es gestreichelt, ehe sich das Chaos vom Vormittag wiederholte. Morgens wurde ein Sportkurs von einem Wespenschwarm angegriffen, bei dem auch Katharina, eine von uns Freiwilligen dabei war. Am Nachmittag traf es dann die Family von Johannes, dem anderen Zivildienstleistenden, waehrend des Fussballspielens, weil sich keiner von den Verantwortlichen darum gekuemmert hatte, etwas gegen das versteckt liegende Wespennest zu unternehmen oder es abzusperren. Beide Freiwilligen hatten 10 bis 20 Stiche und auch die Jungs waren teilweise mehrmals gestochen worden. Ein paar von ihnen kamen zu uns gerannt, da wir nicht weit davon entfernt waren, so dass ich sie von der Pferdekuppel um die Wespen zum Internat gefuehrt habe. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet wir Freiwilligen fuer die Betreueung zustaendig war. Der Krankenpfleger wollte als nur Katharina und Johannes Mittel gegen die Stiche geben, so dass wir abends dann die schwersten Faelle vom Nachmittag mit unseren Salben in unserer Kueche versorgt haben. Allerdings wird ueber die Kompetenz des Krankenpflegers auch woanders gestritten. Johannes und Katharina haben auch deswegen die meisten Stiche abbekommen, weil sie sich an die Hauptopfer herangewagt hatten, um sie zum Wegrennen zu animieren, weil die Wespen sofort anfingen zu stechen. Der neue aber in diesem Moment ueberforderte Sportlehrer war beim morgendlichen Angriff gleich in Panik weggerannt.
Doch weiter zu meinem Tagesablauf. Nach dem Abendessen macht jeder seine ihm zugeteilten Aufgaben. Dann verschwinde ich allerdings zum Arabisch lernen, bei Johannes' Educator, der uns Umgangsarabisch beibringt.

Weiteres ein anderes Mal

Euer Matthias

1. Erfahrungsbericht

Liebe Freunde,

inzwischen ist die Zeit gekommen, sich langsam an den ersten Erfahrungsbericht fuer das EMS zu setzen, auch um die vielen Emails zu beantworten, die ich von Euch bekommen habe.

Vor exakt zwei Wochen bin ich abends mit einer weiteren Freiwilligen, Susanne aus Loerrach, nach einem gut verlaufenen Flug in Amman gelandet. Dort wurden wir und Katharina, eine weitere Freiwillige, die schon ein paar Stunden vorher angekommen war vom Verantwortlichen fuer das Haus fuer externe Gaeste zur Theodor-Schneller-Schule gefahren. Dort habe ich dann meinen Mit-Zivi Johannes getroffen, der schon ein paar Tage mit seinen Eltern in Syrien herumgereist war. Nach dem Abendessen mit dem Direktor, Hanna Mansour, bezog ich mein Zimmer im Guesthouse mit Blick auf das angrenzende Palaestinenser-Fluechtlingslager.

Blick auf das Palaestinenser-Lager

Die ersten zwei Naechte waren auesserst kurz. Milben und Steckfliegen hatten mich um meinen Schlaf gebracht. Erst als ich den Ventilator nachts laufen gelassen habe und ich mich auf meinen Schlafsack gelegt habe, bin ich zum Schlafen gekommen.

Guesthouse

Die ersten Tage in Jordanien waren voll von Erlebnissen und neuen Eindruecken einer ganz anderen Kultur und Lebensweise. Am Tag nach der Ankunft sind wir Abends in die Innenstadt gefahren, wo es neben einen roemischen Theater ueberall kleine Laeden gibt. Die Menschen sind - typisch arabisch - gastfreundlich. Jordanien ist an Vielfalt kaum zu ueberbieten. Wenn man durch Amman schlendert, triff man die verschiedensten Leute. Voll verschleierte Frauen und Maenner in arabischen Gewaendern sitzen im gleichen Bus wie junge Frauen mit eng anliegender westlicher Kleidung. Touristen aus Europa, Amerika oder Asien trifft man hier kaum, dafuer viele grosse Strassenkreuzer mit Familien aus den Golfstaaten. In den folgenden Tagen sind wir mit Johannes' Eltern herumgereist. Dazu benutzt man hier entweder das eigentlich obligatorisch eigene Auto oder man hat drei verschiedene oeffentliche Verkehrsmoeglichkeiten. Entweder faehrt man mit Minibussen mit um die 20 Sitzplaetzen, die man durch Winken auf Huefthoehe anhaelt oder man nimmt ein Taxi, was hier ebenfalls richtig billig ist. Eine Minibusfahrt kostet umgerechnet sage und schreibe 15 Cent. Auf den gleichen Routen verkehren auch die sogenannten Service-Taxis mit 4 Sitzplaetzen, wo eine Fahrt 25 Cent kostet.

Amman Downtown

Unser erster groesserer Ausflug ging zum Mount Nebo, von dem der Legende nach Moses ins Gelobte Land schaute, dass er ja selbst nicht betreten durfte. Zuvor waren wir bei gluehender Mittagshitze auf der Zitadelle von Amman, in dessen archaeologischen Museum wir von Johannes' Vater einen Crashkurs in jordanischer und nah-oestlicher Geschichte bekommen haben. Anschliessend waren wir in Madaba, das suedlich von Amman liegt. Dort haben wir eine Reihe von Mosaiken sowie auf einen Kirchenboden, eine antike Mosaik-Karte des Nahen-Ostens betrachtet. Von dort aus sind wir zum Mount Nebo. Von dort hat man eine tolle Aussicht auf das Tote Meer und das Jordantal. Allerdings konnte man nicht ins gelobte Land schauen, so dass wir bei klarem Herbstwetter nochmal zurueckkommen wollen.

Zitadelle von Amman

Blick vom Mount Nebo aufs Tote Meer

Blick vom Mount Nebo in ein Seitental

Der Einstieg in die jordanische Lebensweise hat sehr gut geklappt. Solange wir im Guesthouse gelebt haben, war das Fruehstueck sehr vielfaelig. Feigenmarmelade, ein Quark namens Lebanon und duennes Fladenbrot bildeten bei mir die Grundlage. Manchmal gab es auch Feigen- und Kakteenfruechte. Zum Mittagessen gibt es meist Reis mit Gemuese oder Fleisch. Das Abendessen hingegen ist dem Fruehstueck aehnlich. Es gibt nur keine Marmelade.

Doch nun zur Schule selbst. Sie liegt im Osten von Amman. Das ist ein wenig unguenstig, da sich Amman stadtplanerisch unkontrolliert nur nach Westen und Norden ausgedeht, wo die ganzen Einkaufszentren und Entertainment-Angebote sind. Die Schule ist im Vergleich zu ihrer Umgebung relativ begruent. Allerdings waechst hier alles sehr schlecht, denn der Boden ist sehr phosphathaltig. In den ersten Tagen waren wir auch des oefteren im Schulschwimmbad und haben uns abends mit ein paar aelteren Jungs unterhalten. Spaetnachmittags war es zwar immer noch heiss, aber ich habe dennoch mit den Jungs Fussball gespielt.

Kirche der TSS

Probleme habe ich hier kaum welche. Die Versorgung mit Wasser ist hier kompliziert. Leitungswasser sollte man eigentlich nicht trinken. Die Jungs trinken es trotzdem ohne Beschwerden. Dann gibt es ein weiteres Leitungswasser, was man nach Aussage einiger ruhig trinken kann. Ausserdem gibt es zu den Mahlzeiten Filterwasser aus der Kueche, das aber komisch schmeckt. Die beste Methode der Trinkwasserversorgung stellt der Kauf von Kanistern mit Trinkwasser dar. Da wir Freiwilligen weit ueber dem Bedarf der Jordanier trinken, sollen wir nun eine eigene Wasserstation fuer die gekauften Kanister bekommen, die aber als nicht geliefert wird. Gerade die taeglichen Beteuerungen des Guesthouse-Leiter "perhaps tomorrow" koennen einen dabei echt zur Weissglut treiben.

Wasserstation

In Jordanien gibt es zwei Sprachen. Das jordanische Arabisch, das dem Hocharabischen aehnelt und das der Palaestinenser. Viele Vokabeln, die ich in Deutschland gelernt habe, werden zwar verstanden, aber gerade bei den Verben, gibt es in der Umgangssprache kaum Gemeinsamkeiten mit meinem gelernten Arabisch. Zwar behaupten viele, gerade die Erzieher, dass das Hocharabisch nicht verstanden wird, allerdings ist das nach meinen Eindruecken selten der Fall.

So das wars jetzt erstmal. Wenn ich Bilder aus dem Schulleben habe und die erste Schulwoche hier vorrueber ist, die wegen Bauarbeiten am Internet der TSS um eine halbe Woche verschoben werden musste, werde ich Spannendes aus dem Schulalltag erzaehlen. Es ist schon einiges in den ersten zwei Tagen vorgefallen. Vor allem positives ...

Viele liebe Gruesse aus Jordanien

Euer Matthias


Katharina, Susanne und Johannes

...

Wir EMS-Schneller-Freiwilligen in der Mittagshitze beim Besuch der alten Zitadelle Ammans

EMS-Freiwillige-der-Schneller-Schule-in-Amman

...

Hallo,

in Zukunft koennt Ihr auf diesem Webblog, den ich fuer meine Zeit in Jordanien angelegt habe, Geschichten und Berichte aus der der Schneller-Schule hoeren und natuerlich Bilder von Jordanien ansehen.


Viele Gruesse aus dem sonnigheissem Jordanien.

Euer Matthias

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