4. Rundbrief
Theodor-Schneller-School 30. April 2007
c\o Matthias Knecht
P.O.Box: 340649 Marka-Amman
11134 Jordan
4. Rundbrief
Hallo liebe Freunde,
mein Jahr in Jordanien neigt sich dem Ende zu. Die Gedanken drehen sich immer öfter über das Danach in Deutschland als das Hier und Jetzt in der Schneller-Schule. Uni-Bewerbungen, Buchung des Rückflugs und die letzten Schulwochen stehen vor der Tür. Den Wunsch nach Deutschland zurückzukehren, verspürte ich zum ersten Mal, als ich meine Eltern nach unserem gemeinsamen Urlaub in Syrien und Jordanien mitten in der Nacht zum Flughafen gebracht hatte und wir uns für nur noch wenige Monate verabschiedet haben.
Zwei Wochen war ich mit meinen Eltern unterwegs gewesen. Die ersten drei Tage blieben wir in Amman und haben Jerash besichtigt, ehe wir uns auf eine Reise von Damaskus bis ans Rote Meer aufgemacht haben. Gerade die Fahrt von Amman nach Damaskus führte mir noch mal vor Augen wie wenig orientalisch Amman ist. Der Ausrdruck „hässlich“ fiel bei meinen Eltern oft. Ganz anders Damaskus, noch dazu in der Vorbereitungszeit für Ostern, das dieses Jahr orthodoxe und lateinische Christen gemeinsam feierten. Wir uebernachteten im Gästehaus der orthodoxen syrischen Kirche und haben Tag für Tag die Übungen insbesondere christlicher Jugendlicher für die Osterumzüge zu Ohren bekommen. Besonders ueberrascht war ich wieder von den Pfadfinder-ähnlichen Trachten der Jugendlichen, wie ich sie aus Bethlehem an Weihnachten gekannt hatte. Damaskus ist eine wunderbare Stadt. Alles liegt dicht beieinander. Die Besichtigung der Altstadt mit ihren omayyadischen Denkmälern und insbesondere der Omayyadenmosche, das Einkaufen in den Souqs von Damaskus, der Besuch in einem historischen Bad, das super Essen in damaszener Bürgerpalästen und ein Ausflug nach Malula haben uns einen ganz anderen und besseren Eindruck vom Orient gegeben, wie man es je in Jordanien bekommen könnte. Nach Malula, ca. eine Stunde Fahrt von Damaskus entfernt, sind wir gefahren, weil es sich um eine der christlichen Hochburgen in Syrien, malerisch in eine Felswand gebaut, handelt, in der auch noch heute Aramäisch, wie vor zweitausend Jahren in ähnlicher Form von Jesus Christus in Galiläa, gesprochen wird.
Nach der Rückkehr zur Schneller-Schule haben wir uns für die zweite Woche ein Auto gemietet, dessen Marke ich bis heute noch nicht rausgefunden haben. Es war jedenfalls groß genug, damit ich wieder Auto fahren konnte. Am ersten Tag sind wir den größeren Teil des sogenannten „Kingshighways“ abgefahren. Eine Straße, die auf einer historischen Handelsroute gelegen durch die schoensten Landschaften Jordaniens führt. An ihrer Strecke liegen Madaba, eine alte byzantische Stadt mit einer sehr wichtigen Mosaikenkarte des Heiligen Landes in einer der dortigen antiken Kirchen. In der Nähe befindet sich der Mount Nebo, wo Mose nach biblischer Überlieferung in das verheissene Heilige Land blickte, ehe er starb. Mose musste wohl einen guten Tag erwischt haben. Meist, auch als wir da waren, ist die Sicht so diesig, dass man schon Jericho, knapp hinter dem Jordan gelegen, nicht mehr erkennen konnte, vom Heiligen Land ganz zu schweigen. Ein wenig hinter Madaba thronen über dem Toten Meer auf einem steilen Bergkegel die Ruinen der jüdischen Festung Muchäerus, dem jordanischen Pendant zum israelischen Massada. Hier hat sich außerdem ein trauriges Kapitel des neuen Testaments abgespielt. Aufgrund eines Schwurs ließ der jüdische König Herodes den dort eingekerkerten Johannes den Täufer enthaupten. Diesmal war das Wetter besser, als wir den Grand Canyon Jordaniens, den Wadi Mujib durchquerten, aber kurz vor der Kreuzritterburg in Kerak war soviel Sand in der Luft, dass wir auf deren Besichtigung verzichtet haben und gleich weiter zum Dana Nature Reserve gefahren sind. Dort haben wir Evi und ihre Eltern getroffen, mit deren sich in den nächsten Tagen unsere Wege oft gekreuzt haben oder parallel verlaufen sind. Am nächsten Morgen, haben wir zu dritt mit Blick auf den Wadi Araba eine kleine Osterandacht gefeiert und sind in der Gegend herumgewandert. Achim, der sich ein wenig von seiner chronisch Magenverstimmung während der zwei Wochen erholt hatte, betätigte sich als Archäologe und erzählte noch ein paar neuere Erkenntnisse der biblischen Archäologie über die Lage des Berges, auf dem Mose die zehn Gebote empfangen haben soll und möglicherweise sogar in Südjordanien liegt. Am Nachmittag haben wir auf dem Weg nach Petra einen Stopp in Schobak gemacht, um doch noch eine Kreuzritterburg sehen zu können. Petra zum zweiten war natürlich immer noch beeindruckend und auch wieder in Wadi Rum zu sein, hat sich gelohnt. Abschliessend waren wir einen Tag Schnorcheln an den Korallen in Aqaba am Roten Meer und haben uns im Liegestuhl mit Blick auf den Sinai entspannt. Meine Schwester Mirjam wäre sicher neidisch geworden.
Am letzten gemeinsamen Tag sind wir noch mal auf biblischen Spuren gewandelt. Erst haben wir Pnöel am Rande des Jordantals gesucht, den Ort, an dem Jakob mit Gott gerungen haben soll. Aber letztlich sind wir aus Zeitdruck weiter zur Taufstelle Jesu gefahren. Dies ist die einzige Stelle, wo man bis an den Jordan gelangen kann, sonst befindet sich überall militärisches Sperrgebiet. Die Stimmung war komisch dort, der Himmel verdunkelte sich, der Pfarrer einer srilankischen Christengruppe sprang in den Jordan und fing an zu taufen und der weit und breit einzige Soldat versuchte auch nur zu verhindern, dass nicht einer schnell durch das fünf Meter breite Rinnsal namens Jordan nach Israel gelangte, deren eigene Taufstelle völlig verwaist war. Irgendwie war ich froh von dort wegzukommen. Den Abschluss des Urlaubs meiner Eltern sollte ein Bad im Toten Meer sein. Doch inzwischen regnete und gewitterte es nördlich und südlich unseres Strandes und das Tote Meer warf erstaunliche hohe und lebendige Wellen ans Ufer. Mein erstes Bad im Toten Meer war eine Katastrophe. Die Wellen warfen mich um, ich versank im Schlamm oder ich fiel auf einen der vielen großen scharfen Steine zwischen dem Schlamm. Mit Abschürfungen und einer Blessur am Knöchel stieg ich wieder aus dem Wasser und habe nun genug vom Toten Meer.
Nach dem nächtlichen Rückflug meiner Eltern begann am nächsten Morgen gleich wieder die Arbeit. Zwei Tage später sollte die zweite Umweltwoche in diesem Schuljahr beginnen. Für die Viert- bis Sechstklässler habe ich gemeinsam mit Katharina in dieser Zeit Experimente zum Thema „Wasser“ und zum Thema „Luft“ vorbereitet. Oft ging das Interesse auch über den bloßen Effekt hinaus und die Jungs waren auch an der Lösung interessiert. Nachmittags fanden außerdem Vorträge wie z.B. von Unicef oder Umweltlehrveranstaltungen mit der „Royal Society of Conservation of Nature“ statt. Den Abschluss der Umweltwoche bildete ein Ausflug aller Schüler zum Royal Botanic Garden mit Blick auf den wichtigsten Stausee Jordaniens, der natürlich für viele interessanter war, als der Vortrag von einem der Mitarbeiter. Danach sind wir weiter zum Wald-Naturreservat Dibien gefahren. Dort konnten die Jungs ihr Taschengeld beim Reiten verpulvern, im Wald spielen und es gab ein Mittagessen. Die Busfahrten liefen um einiges stressfreier als beim Ausflug der letzten Umweltwoche ab, dank der ausgefallen Klimaanlage des Buses und gleichzeitigem Sommerbeginn. Inhaltlich war die Umweltwoche meiner Meinung nach schwächer als beim ersten Mal, auch wenn es den Jungs sicher gefallen hat, mal wieder abseits des Schulalltags zumindest ein wenig etwas anderes zu lernen.
Mein Sportprogramm für alle Siebt- und Achtklässler läuft weiterhin gut. Ich habe sie entgültig nach den drei Extremen dynamische Sportler, faule Dicke und Jungs mit körperlichen und persönlichen Defiziten auf drei Gruppen verteilt. Für die acht Sportlichen scheint in der Sporthalle kaum genügend Platz zu sein, während die Dicken das Angebot teilweise gar nicht schätzen, mit mir in die Sporthalle zu gehen und lieber Standfussball spielen oder einfach draußen herumhängen wollen. Meine Psychomotoriker laufen hingegen ebenfalls super und ständig blitzen dort ungekannte Fähigkeiten und ungeahnte Potentiale auf. Dennoch ist es ungeheurer anstrengend mit ihnen gemeinsam Sport zu machen. Manchmal checken sie es einfach überhaupt nicht. Außerdem dringen meine Worte oft nicht bis zu ihnen durch, da sie verträumt in der Welt herumschauen oder an ihrem Sportgerät herumhantieren.
Nun ja, von der Arbeit in der Family gibt es nicht viel zu erzählen. Das Schwimmbad wird wohl erst nach Schulschluss aufmachen. Das Tagesprogramm ist gestern auf den Sommer zurecht geschnitten worden. Die Spielzeit ist auf den Abend verschoben worden. Dafür werden die Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen gemacht, was die Jungs nicht wirklich toll finden, nach dem sie schon den ganzen Morgen in der Schule waren. Außerdem mussten zwei tolle Jungs, auf die ich mich sehr verlassen konnte, meine Family verlassen und in eine andere Familie wechseln. Sie waren die Leidtragenden dafür, dass zwei andere Jungs bei der Familie für die kleinen Erst- bis Drittklässler keine Stütze (übrigens der Name des einen Jungen auf Arabisch) sondern ein Problem waren und nun bei mir sind.
Letztes Wochenende waren wieder von Donnerstag bis Sonntag vier Tage frei. Diesmal haben wir Freiwilligen eine Ecke erkundet, die wohl ein weißer Fleck auf der jordanischen Karte darstellt. Zwei Tage lang sind wir vom Kingshighway auf der Jordanischen Hochebene durch das Wadi Hesa ins Wadi Araba gewandert. Vollgepackt mit Essen für diese Zeit sind wir durch eine paradiesische Landschaft gewandert. Unser Trinken haben wir entweder aus einer der zahlreichen heißen Eisenquellen entlang des Wadi Hesa oder aus den Bächen der Seitentäler entnommen. Unsere Schuhe waren permanent mit Wasser gefüllt, was sich aber auch nicht vermeiden ließ. Durch warmes Wasser aus den heißen Quellen im Oberlauf des Wadi ist die Vegetation tropisch. Es gibt viele Palmen, knallbunte Blumen und auch sonst ist alles sehr grün, vielleicht auch deswegen, weil man oberhalb der Schlucht auf die braune Welt vom Geröll der Hänge blickt. Völlig unverständlich, warum das Wadi Hesa kein Naturreservat ist. Auf dem Weg sind uns neben Fröschen und Schlangen auch Tiere wie z.B. Krebse und Wildesel begegnet, die man dort nie vermuten würde. Weiter unten zieht sich das Wadi zu hohen Schluchten zusammen, wo im ganzen Wadi das Wasser fließt und die viel eindrucksvoller sind, als der Siq zum berühmten Schatzhaus in Petra. Auch Nachts bleibt es wegen der Wassertemperaturen warm. Erst spät in der Nacht bin ich leicht fröstelnd in meinen Schlafsack gekrochen, in dem es sonst zu heiß war. Drei Tage waren wir bis auf das Zusammentreffen mit einigen Ziegenhirten und an einem Wasserfall mit beduinischen Jugendlichen in tiefster Einsamkeit unterwegs. Auch wenn ich einen Rucksack voller Gepäck mit mir herumzuschleppen hatte, erholt habe ich mich sehr gut.
Inzwischen sind die Planungen für die Rückkehr nach Deutschland in den Vordergrund gerückt. Mein Idee, den elften Monat meines Zivildienstes im Libanon zu verbringen, spielt nun erst mal keine Rolle mehr. Erst vor kurzem ist mir klar geworden, dass mir als Anderer Dienst im Ausland-Leistender vierundzwandzig Werktage Urlaub zustehen, von denen ich bisher nur ein paar genutzt habe. So werde ich wohl im letzten Monat nur noch eine Woche an der TSS verbringen müssen. Daher denke ich, dass ich spätestens Ende Juli nach Deutschland zurückkehren werde. Wohin ich noch so reisen werde, steht noch nicht fest, aber von Syrien und Israel habe ich bisher wenig gesehen und im Libanon war ich noch gar nicht.
Den fünften und letzten Rundbrief könnt ihr im Juli mit meiner Rückkehr nach Frankfurt erwarten.
Viele liebe Grüße und auf ein baldiges Wiedersehen
Euer Matthias
c\o Matthias Knecht
P.O.Box: 340649 Marka-Amman
11134 Jordan
4. Rundbrief
Hallo liebe Freunde,
mein Jahr in Jordanien neigt sich dem Ende zu. Die Gedanken drehen sich immer öfter über das Danach in Deutschland als das Hier und Jetzt in der Schneller-Schule. Uni-Bewerbungen, Buchung des Rückflugs und die letzten Schulwochen stehen vor der Tür. Den Wunsch nach Deutschland zurückzukehren, verspürte ich zum ersten Mal, als ich meine Eltern nach unserem gemeinsamen Urlaub in Syrien und Jordanien mitten in der Nacht zum Flughafen gebracht hatte und wir uns für nur noch wenige Monate verabschiedet haben.
Zwei Wochen war ich mit meinen Eltern unterwegs gewesen. Die ersten drei Tage blieben wir in Amman und haben Jerash besichtigt, ehe wir uns auf eine Reise von Damaskus bis ans Rote Meer aufgemacht haben. Gerade die Fahrt von Amman nach Damaskus führte mir noch mal vor Augen wie wenig orientalisch Amman ist. Der Ausrdruck „hässlich“ fiel bei meinen Eltern oft. Ganz anders Damaskus, noch dazu in der Vorbereitungszeit für Ostern, das dieses Jahr orthodoxe und lateinische Christen gemeinsam feierten. Wir uebernachteten im Gästehaus der orthodoxen syrischen Kirche und haben Tag für Tag die Übungen insbesondere christlicher Jugendlicher für die Osterumzüge zu Ohren bekommen. Besonders ueberrascht war ich wieder von den Pfadfinder-ähnlichen Trachten der Jugendlichen, wie ich sie aus Bethlehem an Weihnachten gekannt hatte. Damaskus ist eine wunderbare Stadt. Alles liegt dicht beieinander. Die Besichtigung der Altstadt mit ihren omayyadischen Denkmälern und insbesondere der Omayyadenmosche, das Einkaufen in den Souqs von Damaskus, der Besuch in einem historischen Bad, das super Essen in damaszener Bürgerpalästen und ein Ausflug nach Malula haben uns einen ganz anderen und besseren Eindruck vom Orient gegeben, wie man es je in Jordanien bekommen könnte. Nach Malula, ca. eine Stunde Fahrt von Damaskus entfernt, sind wir gefahren, weil es sich um eine der christlichen Hochburgen in Syrien, malerisch in eine Felswand gebaut, handelt, in der auch noch heute Aramäisch, wie vor zweitausend Jahren in ähnlicher Form von Jesus Christus in Galiläa, gesprochen wird.
Nach der Rückkehr zur Schneller-Schule haben wir uns für die zweite Woche ein Auto gemietet, dessen Marke ich bis heute noch nicht rausgefunden haben. Es war jedenfalls groß genug, damit ich wieder Auto fahren konnte. Am ersten Tag sind wir den größeren Teil des sogenannten „Kingshighways“ abgefahren. Eine Straße, die auf einer historischen Handelsroute gelegen durch die schoensten Landschaften Jordaniens führt. An ihrer Strecke liegen Madaba, eine alte byzantische Stadt mit einer sehr wichtigen Mosaikenkarte des Heiligen Landes in einer der dortigen antiken Kirchen. In der Nähe befindet sich der Mount Nebo, wo Mose nach biblischer Überlieferung in das verheissene Heilige Land blickte, ehe er starb. Mose musste wohl einen guten Tag erwischt haben. Meist, auch als wir da waren, ist die Sicht so diesig, dass man schon Jericho, knapp hinter dem Jordan gelegen, nicht mehr erkennen konnte, vom Heiligen Land ganz zu schweigen. Ein wenig hinter Madaba thronen über dem Toten Meer auf einem steilen Bergkegel die Ruinen der jüdischen Festung Muchäerus, dem jordanischen Pendant zum israelischen Massada. Hier hat sich außerdem ein trauriges Kapitel des neuen Testaments abgespielt. Aufgrund eines Schwurs ließ der jüdische König Herodes den dort eingekerkerten Johannes den Täufer enthaupten. Diesmal war das Wetter besser, als wir den Grand Canyon Jordaniens, den Wadi Mujib durchquerten, aber kurz vor der Kreuzritterburg in Kerak war soviel Sand in der Luft, dass wir auf deren Besichtigung verzichtet haben und gleich weiter zum Dana Nature Reserve gefahren sind. Dort haben wir Evi und ihre Eltern getroffen, mit deren sich in den nächsten Tagen unsere Wege oft gekreuzt haben oder parallel verlaufen sind. Am nächsten Morgen, haben wir zu dritt mit Blick auf den Wadi Araba eine kleine Osterandacht gefeiert und sind in der Gegend herumgewandert. Achim, der sich ein wenig von seiner chronisch Magenverstimmung während der zwei Wochen erholt hatte, betätigte sich als Archäologe und erzählte noch ein paar neuere Erkenntnisse der biblischen Archäologie über die Lage des Berges, auf dem Mose die zehn Gebote empfangen haben soll und möglicherweise sogar in Südjordanien liegt. Am Nachmittag haben wir auf dem Weg nach Petra einen Stopp in Schobak gemacht, um doch noch eine Kreuzritterburg sehen zu können. Petra zum zweiten war natürlich immer noch beeindruckend und auch wieder in Wadi Rum zu sein, hat sich gelohnt. Abschliessend waren wir einen Tag Schnorcheln an den Korallen in Aqaba am Roten Meer und haben uns im Liegestuhl mit Blick auf den Sinai entspannt. Meine Schwester Mirjam wäre sicher neidisch geworden.
Am letzten gemeinsamen Tag sind wir noch mal auf biblischen Spuren gewandelt. Erst haben wir Pnöel am Rande des Jordantals gesucht, den Ort, an dem Jakob mit Gott gerungen haben soll. Aber letztlich sind wir aus Zeitdruck weiter zur Taufstelle Jesu gefahren. Dies ist die einzige Stelle, wo man bis an den Jordan gelangen kann, sonst befindet sich überall militärisches Sperrgebiet. Die Stimmung war komisch dort, der Himmel verdunkelte sich, der Pfarrer einer srilankischen Christengruppe sprang in den Jordan und fing an zu taufen und der weit und breit einzige Soldat versuchte auch nur zu verhindern, dass nicht einer schnell durch das fünf Meter breite Rinnsal namens Jordan nach Israel gelangte, deren eigene Taufstelle völlig verwaist war. Irgendwie war ich froh von dort wegzukommen. Den Abschluss des Urlaubs meiner Eltern sollte ein Bad im Toten Meer sein. Doch inzwischen regnete und gewitterte es nördlich und südlich unseres Strandes und das Tote Meer warf erstaunliche hohe und lebendige Wellen ans Ufer. Mein erstes Bad im Toten Meer war eine Katastrophe. Die Wellen warfen mich um, ich versank im Schlamm oder ich fiel auf einen der vielen großen scharfen Steine zwischen dem Schlamm. Mit Abschürfungen und einer Blessur am Knöchel stieg ich wieder aus dem Wasser und habe nun genug vom Toten Meer.
Nach dem nächtlichen Rückflug meiner Eltern begann am nächsten Morgen gleich wieder die Arbeit. Zwei Tage später sollte die zweite Umweltwoche in diesem Schuljahr beginnen. Für die Viert- bis Sechstklässler habe ich gemeinsam mit Katharina in dieser Zeit Experimente zum Thema „Wasser“ und zum Thema „Luft“ vorbereitet. Oft ging das Interesse auch über den bloßen Effekt hinaus und die Jungs waren auch an der Lösung interessiert. Nachmittags fanden außerdem Vorträge wie z.B. von Unicef oder Umweltlehrveranstaltungen mit der „Royal Society of Conservation of Nature“ statt. Den Abschluss der Umweltwoche bildete ein Ausflug aller Schüler zum Royal Botanic Garden mit Blick auf den wichtigsten Stausee Jordaniens, der natürlich für viele interessanter war, als der Vortrag von einem der Mitarbeiter. Danach sind wir weiter zum Wald-Naturreservat Dibien gefahren. Dort konnten die Jungs ihr Taschengeld beim Reiten verpulvern, im Wald spielen und es gab ein Mittagessen. Die Busfahrten liefen um einiges stressfreier als beim Ausflug der letzten Umweltwoche ab, dank der ausgefallen Klimaanlage des Buses und gleichzeitigem Sommerbeginn. Inhaltlich war die Umweltwoche meiner Meinung nach schwächer als beim ersten Mal, auch wenn es den Jungs sicher gefallen hat, mal wieder abseits des Schulalltags zumindest ein wenig etwas anderes zu lernen.
Mein Sportprogramm für alle Siebt- und Achtklässler läuft weiterhin gut. Ich habe sie entgültig nach den drei Extremen dynamische Sportler, faule Dicke und Jungs mit körperlichen und persönlichen Defiziten auf drei Gruppen verteilt. Für die acht Sportlichen scheint in der Sporthalle kaum genügend Platz zu sein, während die Dicken das Angebot teilweise gar nicht schätzen, mit mir in die Sporthalle zu gehen und lieber Standfussball spielen oder einfach draußen herumhängen wollen. Meine Psychomotoriker laufen hingegen ebenfalls super und ständig blitzen dort ungekannte Fähigkeiten und ungeahnte Potentiale auf. Dennoch ist es ungeheurer anstrengend mit ihnen gemeinsam Sport zu machen. Manchmal checken sie es einfach überhaupt nicht. Außerdem dringen meine Worte oft nicht bis zu ihnen durch, da sie verträumt in der Welt herumschauen oder an ihrem Sportgerät herumhantieren.
Nun ja, von der Arbeit in der Family gibt es nicht viel zu erzählen. Das Schwimmbad wird wohl erst nach Schulschluss aufmachen. Das Tagesprogramm ist gestern auf den Sommer zurecht geschnitten worden. Die Spielzeit ist auf den Abend verschoben worden. Dafür werden die Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen gemacht, was die Jungs nicht wirklich toll finden, nach dem sie schon den ganzen Morgen in der Schule waren. Außerdem mussten zwei tolle Jungs, auf die ich mich sehr verlassen konnte, meine Family verlassen und in eine andere Familie wechseln. Sie waren die Leidtragenden dafür, dass zwei andere Jungs bei der Familie für die kleinen Erst- bis Drittklässler keine Stütze (übrigens der Name des einen Jungen auf Arabisch) sondern ein Problem waren und nun bei mir sind.
Letztes Wochenende waren wieder von Donnerstag bis Sonntag vier Tage frei. Diesmal haben wir Freiwilligen eine Ecke erkundet, die wohl ein weißer Fleck auf der jordanischen Karte darstellt. Zwei Tage lang sind wir vom Kingshighway auf der Jordanischen Hochebene durch das Wadi Hesa ins Wadi Araba gewandert. Vollgepackt mit Essen für diese Zeit sind wir durch eine paradiesische Landschaft gewandert. Unser Trinken haben wir entweder aus einer der zahlreichen heißen Eisenquellen entlang des Wadi Hesa oder aus den Bächen der Seitentäler entnommen. Unsere Schuhe waren permanent mit Wasser gefüllt, was sich aber auch nicht vermeiden ließ. Durch warmes Wasser aus den heißen Quellen im Oberlauf des Wadi ist die Vegetation tropisch. Es gibt viele Palmen, knallbunte Blumen und auch sonst ist alles sehr grün, vielleicht auch deswegen, weil man oberhalb der Schlucht auf die braune Welt vom Geröll der Hänge blickt. Völlig unverständlich, warum das Wadi Hesa kein Naturreservat ist. Auf dem Weg sind uns neben Fröschen und Schlangen auch Tiere wie z.B. Krebse und Wildesel begegnet, die man dort nie vermuten würde. Weiter unten zieht sich das Wadi zu hohen Schluchten zusammen, wo im ganzen Wadi das Wasser fließt und die viel eindrucksvoller sind, als der Siq zum berühmten Schatzhaus in Petra. Auch Nachts bleibt es wegen der Wassertemperaturen warm. Erst spät in der Nacht bin ich leicht fröstelnd in meinen Schlafsack gekrochen, in dem es sonst zu heiß war. Drei Tage waren wir bis auf das Zusammentreffen mit einigen Ziegenhirten und an einem Wasserfall mit beduinischen Jugendlichen in tiefster Einsamkeit unterwegs. Auch wenn ich einen Rucksack voller Gepäck mit mir herumzuschleppen hatte, erholt habe ich mich sehr gut.
Inzwischen sind die Planungen für die Rückkehr nach Deutschland in den Vordergrund gerückt. Mein Idee, den elften Monat meines Zivildienstes im Libanon zu verbringen, spielt nun erst mal keine Rolle mehr. Erst vor kurzem ist mir klar geworden, dass mir als Anderer Dienst im Ausland-Leistender vierundzwandzig Werktage Urlaub zustehen, von denen ich bisher nur ein paar genutzt habe. So werde ich wohl im letzten Monat nur noch eine Woche an der TSS verbringen müssen. Daher denke ich, dass ich spätestens Ende Juli nach Deutschland zurückkehren werde. Wohin ich noch so reisen werde, steht noch nicht fest, aber von Syrien und Israel habe ich bisher wenig gesehen und im Libanon war ich noch gar nicht.
Den fünften und letzten Rundbrief könnt ihr im Juli mit meiner Rückkehr nach Frankfurt erwarten.
Viele liebe Grüße und auf ein baldiges Wiedersehen
Euer Matthias
matze.knecht - 2. Mai, 10:04
