Schulstart
Hallo,
letzten Sonntag war es soweit. Meine freien Tage in Amman waren doch recht ploetzlich zu Ende. Direkt nach dem Fruehstueck musste ich meine Sachen in meinem Zimmer im Guesthouse zusammen schmeissen, um sie dann in mein Volunteer-Zimmer zwischen den beiden Schlafsaelen meiner Wohngruppe oder Family, wie sie an der Schneller-Schule genannt werden, zu transportieren. Ich wohne nun mit 18 bis 20 Jungs im Alter von 14 bis 15 Jahren im 2. Stock des grossen Internatgebaeudes. Mein Zimmer ist recht gross. Es hat einen Schrank, einen Schreibtisch und ein Bett mit Milben. Aber das kennt ihr ja schon.
Das Bad ist fuer viele sicher gewoehnungsbeduerftig. Bisher hat es mich aber noch nicht gestoert. Zu Beginn ist die Haelfte des WC-Spuelwassers neben dem Klo vorbei gestroemt. Nach der Reparatur kam dann gar nichts mehr. Inzwischen funktioniert es jedoch einwandfrei. Beim Waschbecken hab ich beim ersten Mal mich fuerchterlich erschrocken, da der Hahn vor den sporadischen Wasserschueben auffaucht.
Ausserdem habe ich einen grossen Balkon mit der Aussicht auf Amman und auf die groesste freistehende Flagge der Welt. die ihr oben auf meinem Webblog seht. Ausserdem hat die Lage meiner Wohngruppe den Vorteil, dass permanent Wind durch alle Raeume geht, so dass die Luft dort frisch und kuehl ist, was sonst kaum der Fall ist.
Fuer den Nachmittag war dann ein Meeting nach dem anderen angesetzt. Erst beim Leiter des Internats, anschliessend bei Jochen, einem promovierten Sportwissenschaftler, der als Freiwilliger versucht den Sport an der TSS nach europaeischer Art zu modernisieren. Er hat uns seinen Plan vorgestellt, in dem unter anderem vorgesehen ist, dass ich zweimal in der Woche nachmittags nach den Hausaufgaben Fussball fuer diejenigen anbiete, die Lust haben, aber allerdings zu schlecht fuer die Schulmannschaft sind. Ausserdem habe ich mich bereit erklaert Beach-Handball an der Schule einzufuehren.
Um fuenf Uhr sind dann die Jungs mit ihren Eltern angekommen und haben ihre Betten und Schraenke eingerichtet. Es war schon ein ziemliches Chaos. Issa, der Educator meiner Familie, hat es relativ souveraen bewaeltigt. Er ist so der Typ Maerchenonkel, allerdings passt das nicht ganz. Er geht jedenfalls mit den Kindern so um, wie ich es auch bisher in meiner ehrenamtlichen Arbeit getan habe. Auch die meisten anderen Erzieher sind beliebt und verstehen ihr Handwerk. Allerdings pflegen sie ganz unterschiedliche Stile. Und so bin ich froh, dass ich mit Issa zusammen arbeite, denn der autoritaere Generalsstil des Educators der Familie, die unter uns lebt, gefaellt mir ebenso wenig wie der Fussball-Coach-Stil von einer anderen Familie. Ich habe schon am Abend, als die Jungs in den Betten waren, in Absprache mit Issa eine Reihe von Aufgaben uebernommen. So verwalte ich nun das Taschengeld der Jungs, ich bin fuer die woechentliche Aufgabenverteilung zustaendig und auch sonst muss ich viel autonom schon arbeiten, da Issa sich noch um seine eigene Familie zu kuemmern hat. Ich bin nun fuer das Wecken zustaendig, dass hier fuer 6 Uhr morgens angesetzt ist. Ausserdem bin ich immer wenn die Kinder von der Schule kommen, derjenige der da ist, waehrend Isa immer einige Zeit spaeter kommt. Gemeinsam essen wir mit den Jungs zu Mittag ehe es dann fuer eine Stunde ins Schulschwimmbad geht. Dort herrscht ein ziemliches Chaos und Brustschwimmen kann eh keiner. Anschliessend ist Studytime, d.h. Hausaufgabehilfe. Issa kuemmert sich um Mathe, ich um Englisch. Ich habe es inzwischen aufgegeben, die Schueler zum selbststaendigen arbeiten zu animieren. Ich bekomme nur noch den Stift in die Hand gedrueckt und mache dann ihre Englischhausaufgaben, lasse sie das was ich schreibe nachsprechen und ubersetzte den Text ins Arabische. Dabei lernen sie meiner Ansicht immerhin noch ein paar englische Woerter, als das sie vom einzigen Jungen, der es blickt, abschreiben. Apropos schreiben, es ist absolut unmoeglich, den Jungs beizubringen, beim Schreiben das Heft nicht auf den Kopf zu drehen und dass sie eine Luecke zwischen den englischen Woertern zu lassen.
Danach ist bis zum Abendessen eine Stunde freizeiht. Von den ungefaehr zwanzig Jungs wollen ungewoehnlicherweise nur sechs Fussball spielen. Der Rest ist der Figur nach eher wenig an Bewegung in dieser Zeit interessiert. In den ersten zwei Tagen waren ich mit ein paar Jungs beim Pferd der Schneller-Schule. Das erste Mal war es eine Katastrophe. Denn die Jungs fuehlten sich provoziert, als das Pferd in der Kuppel anfing hin- und herzurennen, weil wir soviele Menschen waren. Als sie anfingen Sachen nach dem Pferd zu werfen, musste ich ziemlich energisch werden, damit die Jungs zum Internat zurueckkehrten und das Pferd in Ruhe liessen. Ich habe mir anschliessend geschworen, am naechsten Tag nur mit den vier Jungs hinzugehen, die sich auch dafuer wirklich interessiert haben, weil es auch gefaehrlich war. Am naechsten Tag war es dann auch besser. Die vier Jungs haben das Pferd gefuettert und es gestreichelt, ehe sich das Chaos vom Vormittag wiederholte. Morgens wurde ein Sportkurs von einem Wespenschwarm angegriffen, bei dem auch Katharina, eine von uns Freiwilligen dabei war. Am Nachmittag traf es dann die Family von Johannes, dem anderen Zivildienstleistenden, waehrend des Fussballspielens, weil sich keiner von den Verantwortlichen darum gekuemmert hatte, etwas gegen das versteckt liegende Wespennest zu unternehmen oder es abzusperren. Beide Freiwilligen hatten 10 bis 20 Stiche und auch die Jungs waren teilweise mehrmals gestochen worden. Ein paar von ihnen kamen zu uns gerannt, da wir nicht weit davon entfernt waren, so dass ich sie von der Pferdekuppel um die Wespen zum Internat gefuehrt habe. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet wir Freiwilligen fuer die Betreueung zustaendig war. Der Krankenpfleger wollte als nur Katharina und Johannes Mittel gegen die Stiche geben, so dass wir abends dann die schwersten Faelle vom Nachmittag mit unseren Salben in unserer Kueche versorgt haben. Allerdings wird ueber die Kompetenz des Krankenpflegers auch woanders gestritten. Johannes und Katharina haben auch deswegen die meisten Stiche abbekommen, weil sie sich an die Hauptopfer herangewagt hatten, um sie zum Wegrennen zu animieren, weil die Wespen sofort anfingen zu stechen. Der neue aber in diesem Moment ueberforderte Sportlehrer war beim morgendlichen Angriff gleich in Panik weggerannt.
Doch weiter zu meinem Tagesablauf. Nach dem Abendessen macht jeder seine ihm zugeteilten Aufgaben. Dann verschwinde ich allerdings zum Arabisch lernen, bei Johannes' Educator, der uns Umgangsarabisch beibringt.
Weiteres ein anderes Mal
Euer Matthias
letzten Sonntag war es soweit. Meine freien Tage in Amman waren doch recht ploetzlich zu Ende. Direkt nach dem Fruehstueck musste ich meine Sachen in meinem Zimmer im Guesthouse zusammen schmeissen, um sie dann in mein Volunteer-Zimmer zwischen den beiden Schlafsaelen meiner Wohngruppe oder Family, wie sie an der Schneller-Schule genannt werden, zu transportieren. Ich wohne nun mit 18 bis 20 Jungs im Alter von 14 bis 15 Jahren im 2. Stock des grossen Internatgebaeudes. Mein Zimmer ist recht gross. Es hat einen Schrank, einen Schreibtisch und ein Bett mit Milben. Aber das kennt ihr ja schon.
Das Bad ist fuer viele sicher gewoehnungsbeduerftig. Bisher hat es mich aber noch nicht gestoert. Zu Beginn ist die Haelfte des WC-Spuelwassers neben dem Klo vorbei gestroemt. Nach der Reparatur kam dann gar nichts mehr. Inzwischen funktioniert es jedoch einwandfrei. Beim Waschbecken hab ich beim ersten Mal mich fuerchterlich erschrocken, da der Hahn vor den sporadischen Wasserschueben auffaucht.
Ausserdem habe ich einen grossen Balkon mit der Aussicht auf Amman und auf die groesste freistehende Flagge der Welt. die ihr oben auf meinem Webblog seht. Ausserdem hat die Lage meiner Wohngruppe den Vorteil, dass permanent Wind durch alle Raeume geht, so dass die Luft dort frisch und kuehl ist, was sonst kaum der Fall ist.
Fuer den Nachmittag war dann ein Meeting nach dem anderen angesetzt. Erst beim Leiter des Internats, anschliessend bei Jochen, einem promovierten Sportwissenschaftler, der als Freiwilliger versucht den Sport an der TSS nach europaeischer Art zu modernisieren. Er hat uns seinen Plan vorgestellt, in dem unter anderem vorgesehen ist, dass ich zweimal in der Woche nachmittags nach den Hausaufgaben Fussball fuer diejenigen anbiete, die Lust haben, aber allerdings zu schlecht fuer die Schulmannschaft sind. Ausserdem habe ich mich bereit erklaert Beach-Handball an der Schule einzufuehren.
Um fuenf Uhr sind dann die Jungs mit ihren Eltern angekommen und haben ihre Betten und Schraenke eingerichtet. Es war schon ein ziemliches Chaos. Issa, der Educator meiner Familie, hat es relativ souveraen bewaeltigt. Er ist so der Typ Maerchenonkel, allerdings passt das nicht ganz. Er geht jedenfalls mit den Kindern so um, wie ich es auch bisher in meiner ehrenamtlichen Arbeit getan habe. Auch die meisten anderen Erzieher sind beliebt und verstehen ihr Handwerk. Allerdings pflegen sie ganz unterschiedliche Stile. Und so bin ich froh, dass ich mit Issa zusammen arbeite, denn der autoritaere Generalsstil des Educators der Familie, die unter uns lebt, gefaellt mir ebenso wenig wie der Fussball-Coach-Stil von einer anderen Familie. Ich habe schon am Abend, als die Jungs in den Betten waren, in Absprache mit Issa eine Reihe von Aufgaben uebernommen. So verwalte ich nun das Taschengeld der Jungs, ich bin fuer die woechentliche Aufgabenverteilung zustaendig und auch sonst muss ich viel autonom schon arbeiten, da Issa sich noch um seine eigene Familie zu kuemmern hat. Ich bin nun fuer das Wecken zustaendig, dass hier fuer 6 Uhr morgens angesetzt ist. Ausserdem bin ich immer wenn die Kinder von der Schule kommen, derjenige der da ist, waehrend Isa immer einige Zeit spaeter kommt. Gemeinsam essen wir mit den Jungs zu Mittag ehe es dann fuer eine Stunde ins Schulschwimmbad geht. Dort herrscht ein ziemliches Chaos und Brustschwimmen kann eh keiner. Anschliessend ist Studytime, d.h. Hausaufgabehilfe. Issa kuemmert sich um Mathe, ich um Englisch. Ich habe es inzwischen aufgegeben, die Schueler zum selbststaendigen arbeiten zu animieren. Ich bekomme nur noch den Stift in die Hand gedrueckt und mache dann ihre Englischhausaufgaben, lasse sie das was ich schreibe nachsprechen und ubersetzte den Text ins Arabische. Dabei lernen sie meiner Ansicht immerhin noch ein paar englische Woerter, als das sie vom einzigen Jungen, der es blickt, abschreiben. Apropos schreiben, es ist absolut unmoeglich, den Jungs beizubringen, beim Schreiben das Heft nicht auf den Kopf zu drehen und dass sie eine Luecke zwischen den englischen Woertern zu lassen.
Danach ist bis zum Abendessen eine Stunde freizeiht. Von den ungefaehr zwanzig Jungs wollen ungewoehnlicherweise nur sechs Fussball spielen. Der Rest ist der Figur nach eher wenig an Bewegung in dieser Zeit interessiert. In den ersten zwei Tagen waren ich mit ein paar Jungs beim Pferd der Schneller-Schule. Das erste Mal war es eine Katastrophe. Denn die Jungs fuehlten sich provoziert, als das Pferd in der Kuppel anfing hin- und herzurennen, weil wir soviele Menschen waren. Als sie anfingen Sachen nach dem Pferd zu werfen, musste ich ziemlich energisch werden, damit die Jungs zum Internat zurueckkehrten und das Pferd in Ruhe liessen. Ich habe mir anschliessend geschworen, am naechsten Tag nur mit den vier Jungs hinzugehen, die sich auch dafuer wirklich interessiert haben, weil es auch gefaehrlich war. Am naechsten Tag war es dann auch besser. Die vier Jungs haben das Pferd gefuettert und es gestreichelt, ehe sich das Chaos vom Vormittag wiederholte. Morgens wurde ein Sportkurs von einem Wespenschwarm angegriffen, bei dem auch Katharina, eine von uns Freiwilligen dabei war. Am Nachmittag traf es dann die Family von Johannes, dem anderen Zivildienstleistenden, waehrend des Fussballspielens, weil sich keiner von den Verantwortlichen darum gekuemmert hatte, etwas gegen das versteckt liegende Wespennest zu unternehmen oder es abzusperren. Beide Freiwilligen hatten 10 bis 20 Stiche und auch die Jungs waren teilweise mehrmals gestochen worden. Ein paar von ihnen kamen zu uns gerannt, da wir nicht weit davon entfernt waren, so dass ich sie von der Pferdekuppel um die Wespen zum Internat gefuehrt habe. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet wir Freiwilligen fuer die Betreueung zustaendig war. Der Krankenpfleger wollte als nur Katharina und Johannes Mittel gegen die Stiche geben, so dass wir abends dann die schwersten Faelle vom Nachmittag mit unseren Salben in unserer Kueche versorgt haben. Allerdings wird ueber die Kompetenz des Krankenpflegers auch woanders gestritten. Johannes und Katharina haben auch deswegen die meisten Stiche abbekommen, weil sie sich an die Hauptopfer herangewagt hatten, um sie zum Wegrennen zu animieren, weil die Wespen sofort anfingen zu stechen. Der neue aber in diesem Moment ueberforderte Sportlehrer war beim morgendlichen Angriff gleich in Panik weggerannt.
Doch weiter zu meinem Tagesablauf. Nach dem Abendessen macht jeder seine ihm zugeteilten Aufgaben. Dann verschwinde ich allerdings zum Arabisch lernen, bei Johannes' Educator, der uns Umgangsarabisch beibringt.
Weiteres ein anderes Mal
Euer Matthias
matze.knecht - 2. Sep, 11:19
