1. Rundbrief

Mein laengst fertiggestellter 1. Rundbrief muesste nun in den naechsten Tagen bei euch in den Briefkaesten landen. Das Abschicken hat sich durch Immobilitaet wegen meines Baenderrisses etwas verzoegert.

Ansonsten und ohne linkes Bein gehts mir echt super. Die Arbeit mit den Jungs aus meiner Familie laeuft und macht mir viel viel Spass. Ich lerne ausserdem fleissig Arabisch.
Mein Konzept basiert auf drei Teilen. Vokabeln bekomme ich von den Jungs. Verben lerne ich mit Hilfe eines Anhangs aus Johannes' Arabischlernbuch, dass man leider nur in Jerusalem kaufen kann. Die sonstige Grammatik lese ich mir hin und wieder ebenfalls in diesem Buch durch und mache mir dazu Notizen.
Dazu kommt, dass ich mit den Leuten und Sitten nach und nach warm werde oder arrangiere.

Dazu wurde kurzfristig das erste laengere Wochenende angesetzt. Das heisst ab heute morgen bis Montag morgen ist frei. Ich werde morgen fuer zwei Tage nach Irbid im Norden Jordaniens reisen um dort die anderen Freiwilligen des EMS im Nahen Osten zu besuchen und die eine oder andere touristische Attraktion ansehen. Am Sonntagabend gehe ich vielleicht zum Erntedankgottesdienst am Toten Meer der kleinen evangelischen deutschen Kirchengemeinde von Amman, vorrausgesetzt wir Freiwilligen bekommen eine Mitfahrgelegenheit. Mit Baden wirds bei mir wohl leider nichts.

Inzwischen steht der Kontakt zu einigen Deutschen, die sich in Jordanien aufhalten. Das Wochenende vor meinem Baenderriss begann unter anderem mit einer Abschiedparty fuer zwei deutsche Polizisten der deutschen Botschaft, zu der wir eingeladen waren, weil sie und ein paar andere Deutsche von der Botschaft und von der GTZ mit uns einmal in der Woche seit Beginn der Schule an der TSS Beachvolleyball spielen. Am naechsten Tag haben wir die Pfarrerin der deutschen ev. Kirchengemeinde von Amman kennengelernt, sie ist aber eigentlich noch Vikarin. Mit ihr, dem neuen Probst der EKD fuer das Heilige Land, der zu Besuch aus Jerusalem gekommen war, und den zwei Archaeologen des Deutschen Ev. Instituts fuer Arachaeologie der Ammaner Zweigstelle von der Zentrale in Jerusalem haben wir im Garten des Instituts Kuchen gegessen. Der Probst kam am Samstag dann auch nochmal an der Schneller-Schule vorbei. Ausserdem haben wir nachmittags wieder Beachvolleyball gespielt. Am Sonntag sind wir dann quer durch Amman zum Besuch des Einfuehrungsgottesdienst des Probst gefahren und anschliessend zum Gemeindeabend wieder ins Institut, um dort noch einen Vortrag des Probstes ueber "Toleranz aus Glauben" zu hoeren. Ein wahrlich deutsches Wochenende...

Viele herzliche Gruesse nach Deutschland

Euer Matthias


Wochenendbeginn

Wochenende

Ramadan

Wie ihr vielleicht aus den Nachrichten mitbekommen hat, fasten die Muslime seit 4 Tagen, weil der Fastmonat Ramadan im islamischen Kalender begonnen hat. Das hat auch fuer den Schulalltag an der christlichen TSS Konsequenzen. Alle muslimischen Jungs, die nach Hause koennen, kommen nach der morgendlichen Schule nicht in die "Family", sondern fahren nach Hause. Ein paar muslimische Kinder bleiben im Internat und essen und trinken wie selbstverstaendlich von Sonnenaufgang bis -untergang nichts. Ausserdem haben sie zwei Mahlzeiten am Abend und fruehstuecken frueher. Davon dass ein paar christliche Jungs an der TSS mitfasten, wie es in dem einem oder anderem Bericht ueber die TSS heisst, habe ich noch nicht mitbekommen.

Auch als Christ ist man in Jordanien vom Ramadan betroffen. Es ist verboten tagsueber in der Oeffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Wie strikt das durchgezogen wird, ist uns noch nicht klar, aber auf jeden Fall kann einem Zorn einiger veraergerter Muslime jederzeit entgegenschlagen. Auch hoeren alle Muslime nach halbzwei Uhr auf zu arbeiten und alle Restaurant und Essensstaende bleiben bis Sonnenuntergang geschlossen.
Uns Freiwilligen wurde geraten, waehrend des Ramadan noch sensibler aufzutreten wie sonst, gerade weil hungrige Menschen gereizter sind. Die naechsten Wochen werden jedenfalls einige der interessantesten in Jordanien sein.

20. Geburtstag

Ein herzliches Dankeschoen fuer die Anrufe und Email mit Glueckwuenschen aus Deutschland und sonst wo.

Die Kinder und mein Erzieher haben von meinem Geburtstag erst mal gar nichts erfahren, damit sie nicht ihr ganzes Taschengeld fuer Geschenk und Essen und Getraenke fuer eine Geburtstagsparty ausgeben konnten. Mit meinen Mitfreiwilligen habe ich dann gemeinsam gefruehstueckt. Es gab Obstsalat und auch einen Geburtstagskuchen.
Nach der Abendessen haben mir meine Jungs dann "Happy Birthday" auf Englisch und Arabisch gesungen. Dabei haben sie so laut gesungen, geklatscht und gestampft, dass es selbst am weiter entfernten Eingangstor zum Schneller-Gelaende gut zu hoeren war. Dann haben wir noch gemeinsam Pepsi getrunken und Kuchen gegessen, was ich vormittags eingekauft hatte.

Ein Paeckchen aus Deutschland mit Geschenken von meiner Familie war rechtzeitig eingetroffen. Von den anderen Freiwilligen habe ich unter anderem drei selbstgemachte Jonglierbaelle geschenkt bekommen, denn ich hab mir inzwischen und ueberraschend schnell unter Katharinas Anleitung Jonglieren zumindest in der einfachen Version gelernt. Ausserdem habe ich von der Schule ein Schneller-Poloshirt geschenkt bekommen.

Aussenbandriss

Letzte Woche Montag bin ich ungluecklicherweise beim Basketballspielen auf dem Schuh eines anderen umgeknickt und hab dann von einem Orthopaeaden, der zu den Vertrauensaerzten der deutschen Botschaft gehoert, einen Aussenbandriss diagnostiziert bekommen. Seitdem trage ich einen Kunstgips am linken Bein knieabwaerts, den ich insgesamt 4 Wochen mit mir rumschleppen werden. Danach bekomme ich fuer zwei weitere Wochen einen Aircast, mit dem ich dann wieder normal laufen werde koennen. Inzwischen bin ich wieder halbwegs mobil, nachdem ich die ersten Tage im Gips fuers Abschwellen des Knoechels vor allem im Liegen und mit hochgelegten Bein verbracht habe. Auch bin ich jetzt wieder im "Family"-Alltag voll dabei und kann halt nur in der Playtime kein Sport machen. Davor habe ich eine Woche nur in der Family geschlafen und habe die Jungs nur vom Wecken bis zur Schule und in der abendlichen Playtime gesehen.

Das Gesundheitssystem in Jordanien ist gut, wenn man das entsprechende Kleingeld hat. Vom obengenannten Orthopaeaden habe ich mich am Tag danach in einer "westlichen" Klinik behandeln lassen, nachdem am Abend der Verletzung ich in einem islamischen Hospital in Marka geroentgt wurde und mir dann nur diagnostiziert wurde, dass nichts gebrochen ist. Ausserdem wurde mir noch ein Verband bei schiefer Fusshaltung angelegt. Und da ich wusste, dass ich was an den Baendern hatte, bin ich am naechsten Tag noch mal selbststaendig losgezogen. Fuer Reha-Massnahmen ist uebrigens gesorgt, da ein Sportwissenschaftler und eine Sportstudentin ebenfalls Freiwillige an der Schule sind und ich von ihnen Unterstuetzung zugesagt bekommen habe.

Mein hochgelegtes Bein in Kunstgips

P.S.: Der arabische Genesungsspruch, den ich gerade recht haeufig hoere, lautet "salamtak". Ich muss darauf meinerseits mit "ala ysalmak" antworten, wie es im Arabischen halb bei Spruechen so ueblich ist.

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