...
Liebe Leute,
leider waren die letzten Wochen recht gefuellt mit Aufgaben, so dass ich kaum noch etwas von mir hoeren liess. So will ich euch einfach an dieser Stelle mal erzaehlen, was in der letzten Zeit passiert ist. Die Umweltprojektwoche war ein mittlerer Erfolg, insbesondere der Ausflug zur Oase Azraq am Sonntag, den 12. November war fuer die Jungs ein Highlight, aber inhaltlich kam meiner Ansicht nach wenig rueber, um die Jungs staerker fuer ihre Umwelt zu sensibilisieren. Dazu kam noch, dass die Achtklaessler aus meiner Familie waehrend der Fahrt durch permanentes Missachten von dem was ihnen die Erzieher untersagt haben, aufgefallen sind. Das Wochenende darauf war ausserplanmaessig wieder ein verlaengertes, da der Ausflug nach Azraq auf den Geburtstag des verstorbenen Koenigs fiel, der hier ein gesetzlicher Feiertag ist. Die Erzieher wollten, dass dieser freie Tag eine Woche spaeter nachgeholt wird und so kam es, dass wir uns wieder ueberlegen mussten, wie man vier freie Tage spontan gestalten kann. Zum Glueck haben wir Besuch von unseren EMS-Mitfreiwilligen aus Irbid bekommen. Nach dem wir sie ab Busbahnhof abgeholt haben, waren wir mit ihnen im beruehmten Hashem-Restaurant in Downtown Amman essen, wo man wahrscheinlich die besten Falafel, den besten Houmus und das beste Full in Jordanien bekommt, ohne dass man inklusive Tee mehr als einen JD zahlt. Selbst der Koenig ist waehrend des Ramadans zum ersten Mal waehrend seiner Regentschaft in das fuer ihn gefaehrliche Downtown gefahren, um dort essen zu gehen. Anschliessend haben wir das Europaeische Filmfestival besucht, wo an diesem Abend der Film "Villa Henriette" kostenlos gezeigt wurde. Am naechsten Morgen sind wir dann alle gemeinsam nach Salt gefahren. Salt war die alte osmanische Provinzhauptstadt Jordaniens und sieht daher am orientalischsten aus. Wir hatten urspruenglich vor, noch das "Holy Land Institut for the Deaf" anschauen, wohin ich nach Ausbruch des Libanonskrieg als erstes hingeschickt werden sollte. Allerdings hat dafuer dann die Zeit gefehlt, mal abgesehen davon, dass am Freitag sowieso kaum einer dagewesen waere. Nachdem wir uns Gaeste wieder zum Busbahnhof zurueck gebracht hatten, haben wir uns spontan dafuer entschieden, nochmal kostenlos ins Kino beim Europaeischen Filmfestival zu gehen, diesmal in den Film "Everybody Famous" aus Belgien. Den Samstag haben wir dann vor allem zur Erholung genutzt. Mehr als einen Tag rumhaengen in der TSS habe ich aber nicht verkraften koennen. Ich bin dann mit Susanne und Evi zur ehemaligen Koenigs-Moschee gefahren, die man zwischen den Gebetszeiten gut besichtigen kann. Danach sind wir zu einer Kunstgalerie gelaufen, in der junge jordanische Kuenstler ihre Werke ausstellen. Schoener als die Bild war der kleine Gartenpark am Rande vom ueberlaufenen und zugebauten Downtown. Am letzten Wochenende habe ich freitag zum ersten Mal die Schreinerei besucht, zu der die anderen relativ haeufig hingehen um an einem Tisch zu werkeln. Danach habe ich den Stall des Schneller-Pferds Burkan zusammen mit Susanne ausgemistet, den auf solche hygienischen Gedanken kommen die fuers Pferd Verantwortlichen nicht. Abends sind dann ein weiteres Mal ins europaeische Kino. Es lief "One Skirt and a Pair of Trousers" aus Ungarn. Sonntag sind wir dann zu viert ohne Katharina zum letzten Gottesdienst des deutschsprachigen evangelischen Gemeinde vor Heiligabend gegangen. Dummerweise hat mein Erzieher mit seiner Frau einen Arzttermin gehabt, der lang gedauert hat, so dass meine Family relativ lang alleine war, auch wenn der Erzieher unter meiner Family oefters mal vorbeigeschaut hat, ob alles in Ordnung ist. In dieser Zeit kam es jedenfalls zu einem Streit zwischen zwei Jungs, wer denn nun als erstes ins Bad darf. Dann sind bei einem die Sicherungen durchgeknallt und hat die Tuer dreimal zu geschmettert, waehrend die Finger des anderen dazwischen waren. Konsequenz: ein gebrochener Finger. Weitere Konsequenzen sind noch nicht klar. Der Vater des Taeter musste jedenfalls das Opfer zum Krankenhaus fahren und fuer die Krankenhauskosten aufkommen. In der letzten Zeit habe ich immer haeufig bemerken muessen, aus welch schwierigen Verhaeltnisse die Leute kommen, so dass sie manchmal halt in der Family austicken. Oder ich beobachte wie ein Junge mit einem total blauen und geschwollenen Ruecken unter die Dusche steigt. Der Direktor, Hanna Mansour, hat mich passend dazu gestern gefragt, ob ich mit solchen schwierigen Kindern und Arbeitsbedingungen gerechnet habe. Meine Antwort war "Nein, aber ich komme mit ihnen klar und kann mit den Bedingungen gut umgehen" Ich muss schon sagen, dass ich ueberrascht bin, wie wenig ich im Vergleich mit den anderen Freiwilligen mit den verschiedensten kleineren und groesseren Problemen konfrontiert bin.
Jetzt muss ich allerdings Schluss machen, um die letzten Vorbereitungen fuer unsere Damaskus-Reise an diesem Wochenende, das schon wieder vier Tage lang ist (drei solche Wochenende in einem Monat), zu treffen. Jaja, wir haben schon viele Ferien hier, aber ich glaube man braucht sie. Dazu passt abschliessend dieses Zitat eines Mitarbeiters der TSS. "In keiner Schule Jordaniens gibt es so viele Ferien"
Viele Gruesse und einen schoene Adventszeit euch allen
Euer Matthias
leider waren die letzten Wochen recht gefuellt mit Aufgaben, so dass ich kaum noch etwas von mir hoeren liess. So will ich euch einfach an dieser Stelle mal erzaehlen, was in der letzten Zeit passiert ist. Die Umweltprojektwoche war ein mittlerer Erfolg, insbesondere der Ausflug zur Oase Azraq am Sonntag, den 12. November war fuer die Jungs ein Highlight, aber inhaltlich kam meiner Ansicht nach wenig rueber, um die Jungs staerker fuer ihre Umwelt zu sensibilisieren. Dazu kam noch, dass die Achtklaessler aus meiner Familie waehrend der Fahrt durch permanentes Missachten von dem was ihnen die Erzieher untersagt haben, aufgefallen sind. Das Wochenende darauf war ausserplanmaessig wieder ein verlaengertes, da der Ausflug nach Azraq auf den Geburtstag des verstorbenen Koenigs fiel, der hier ein gesetzlicher Feiertag ist. Die Erzieher wollten, dass dieser freie Tag eine Woche spaeter nachgeholt wird und so kam es, dass wir uns wieder ueberlegen mussten, wie man vier freie Tage spontan gestalten kann. Zum Glueck haben wir Besuch von unseren EMS-Mitfreiwilligen aus Irbid bekommen. Nach dem wir sie ab Busbahnhof abgeholt haben, waren wir mit ihnen im beruehmten Hashem-Restaurant in Downtown Amman essen, wo man wahrscheinlich die besten Falafel, den besten Houmus und das beste Full in Jordanien bekommt, ohne dass man inklusive Tee mehr als einen JD zahlt. Selbst der Koenig ist waehrend des Ramadans zum ersten Mal waehrend seiner Regentschaft in das fuer ihn gefaehrliche Downtown gefahren, um dort essen zu gehen. Anschliessend haben wir das Europaeische Filmfestival besucht, wo an diesem Abend der Film "Villa Henriette" kostenlos gezeigt wurde. Am naechsten Morgen sind wir dann alle gemeinsam nach Salt gefahren. Salt war die alte osmanische Provinzhauptstadt Jordaniens und sieht daher am orientalischsten aus. Wir hatten urspruenglich vor, noch das "Holy Land Institut for the Deaf" anschauen, wohin ich nach Ausbruch des Libanonskrieg als erstes hingeschickt werden sollte. Allerdings hat dafuer dann die Zeit gefehlt, mal abgesehen davon, dass am Freitag sowieso kaum einer dagewesen waere. Nachdem wir uns Gaeste wieder zum Busbahnhof zurueck gebracht hatten, haben wir uns spontan dafuer entschieden, nochmal kostenlos ins Kino beim Europaeischen Filmfestival zu gehen, diesmal in den Film "Everybody Famous" aus Belgien. Den Samstag haben wir dann vor allem zur Erholung genutzt. Mehr als einen Tag rumhaengen in der TSS habe ich aber nicht verkraften koennen. Ich bin dann mit Susanne und Evi zur ehemaligen Koenigs-Moschee gefahren, die man zwischen den Gebetszeiten gut besichtigen kann. Danach sind wir zu einer Kunstgalerie gelaufen, in der junge jordanische Kuenstler ihre Werke ausstellen. Schoener als die Bild war der kleine Gartenpark am Rande vom ueberlaufenen und zugebauten Downtown. Am letzten Wochenende habe ich freitag zum ersten Mal die Schreinerei besucht, zu der die anderen relativ haeufig hingehen um an einem Tisch zu werkeln. Danach habe ich den Stall des Schneller-Pferds Burkan zusammen mit Susanne ausgemistet, den auf solche hygienischen Gedanken kommen die fuers Pferd Verantwortlichen nicht. Abends sind dann ein weiteres Mal ins europaeische Kino. Es lief "One Skirt and a Pair of Trousers" aus Ungarn. Sonntag sind wir dann zu viert ohne Katharina zum letzten Gottesdienst des deutschsprachigen evangelischen Gemeinde vor Heiligabend gegangen. Dummerweise hat mein Erzieher mit seiner Frau einen Arzttermin gehabt, der lang gedauert hat, so dass meine Family relativ lang alleine war, auch wenn der Erzieher unter meiner Family oefters mal vorbeigeschaut hat, ob alles in Ordnung ist. In dieser Zeit kam es jedenfalls zu einem Streit zwischen zwei Jungs, wer denn nun als erstes ins Bad darf. Dann sind bei einem die Sicherungen durchgeknallt und hat die Tuer dreimal zu geschmettert, waehrend die Finger des anderen dazwischen waren. Konsequenz: ein gebrochener Finger. Weitere Konsequenzen sind noch nicht klar. Der Vater des Taeter musste jedenfalls das Opfer zum Krankenhaus fahren und fuer die Krankenhauskosten aufkommen. In der letzten Zeit habe ich immer haeufig bemerken muessen, aus welch schwierigen Verhaeltnisse die Leute kommen, so dass sie manchmal halt in der Family austicken. Oder ich beobachte wie ein Junge mit einem total blauen und geschwollenen Ruecken unter die Dusche steigt. Der Direktor, Hanna Mansour, hat mich passend dazu gestern gefragt, ob ich mit solchen schwierigen Kindern und Arbeitsbedingungen gerechnet habe. Meine Antwort war "Nein, aber ich komme mit ihnen klar und kann mit den Bedingungen gut umgehen" Ich muss schon sagen, dass ich ueberrascht bin, wie wenig ich im Vergleich mit den anderen Freiwilligen mit den verschiedensten kleineren und groesseren Problemen konfrontiert bin.
Jetzt muss ich allerdings Schluss machen, um die letzten Vorbereitungen fuer unsere Damaskus-Reise an diesem Wochenende, das schon wieder vier Tage lang ist (drei solche Wochenende in einem Monat), zu treffen. Jaja, wir haben schon viele Ferien hier, aber ich glaube man braucht sie. Dazu passt abschliessend dieses Zitat eines Mitarbeiters der TSS. "In keiner Schule Jordaniens gibt es so viele Ferien"
Viele Gruesse und einen schoene Adventszeit euch allen
Euer Matthias
matze.knecht - 29. Nov, 10:34
