1. Erfahrungsbericht
Liebe Freunde,
inzwischen ist die Zeit gekommen, sich langsam an den ersten Erfahrungsbericht fuer das EMS zu setzen, auch um die vielen Emails zu beantworten, die ich von Euch bekommen habe.
Vor exakt zwei Wochen bin ich abends mit einer weiteren Freiwilligen, Susanne aus Loerrach, nach einem gut verlaufenen Flug in Amman gelandet. Dort wurden wir und Katharina, eine weitere Freiwillige, die schon ein paar Stunden vorher angekommen war vom Verantwortlichen fuer das Haus fuer externe Gaeste zur Theodor-Schneller-Schule gefahren. Dort habe ich dann meinen Mit-Zivi Johannes getroffen, der schon ein paar Tage mit seinen Eltern in Syrien herumgereist war. Nach dem Abendessen mit dem Direktor, Hanna Mansour, bezog ich mein Zimmer im Guesthouse mit Blick auf das angrenzende Palaestinenser-Fluechtlingslager.

Die ersten zwei Naechte waren auesserst kurz. Milben und Steckfliegen hatten mich um meinen Schlaf gebracht. Erst als ich den Ventilator nachts laufen gelassen habe und ich mich auf meinen Schlafsack gelegt habe, bin ich zum Schlafen gekommen.

Die ersten Tage in Jordanien waren voll von Erlebnissen und neuen Eindruecken einer ganz anderen Kultur und Lebensweise. Am Tag nach der Ankunft sind wir Abends in die Innenstadt gefahren, wo es neben einen roemischen Theater ueberall kleine Laeden gibt. Die Menschen sind - typisch arabisch - gastfreundlich. Jordanien ist an Vielfalt kaum zu ueberbieten. Wenn man durch Amman schlendert, triff man die verschiedensten Leute. Voll verschleierte Frauen und Maenner in arabischen Gewaendern sitzen im gleichen Bus wie junge Frauen mit eng anliegender westlicher Kleidung. Touristen aus Europa, Amerika oder Asien trifft man hier kaum, dafuer viele grosse Strassenkreuzer mit Familien aus den Golfstaaten. In den folgenden Tagen sind wir mit Johannes' Eltern herumgereist. Dazu benutzt man hier entweder das eigentlich obligatorisch eigene Auto oder man hat drei verschiedene oeffentliche Verkehrsmoeglichkeiten. Entweder faehrt man mit Minibussen mit um die 20 Sitzplaetzen, die man durch Winken auf Huefthoehe anhaelt oder man nimmt ein Taxi, was hier ebenfalls richtig billig ist. Eine Minibusfahrt kostet umgerechnet sage und schreibe 15 Cent. Auf den gleichen Routen verkehren auch die sogenannten Service-Taxis mit 4 Sitzplaetzen, wo eine Fahrt 25 Cent kostet.

Unser erster groesserer Ausflug ging zum Mount Nebo, von dem der Legende nach Moses ins Gelobte Land schaute, dass er ja selbst nicht betreten durfte. Zuvor waren wir bei gluehender Mittagshitze auf der Zitadelle von Amman, in dessen archaeologischen Museum wir von Johannes' Vater einen Crashkurs in jordanischer und nah-oestlicher Geschichte bekommen haben. Anschliessend waren wir in Madaba, das suedlich von Amman liegt. Dort haben wir eine Reihe von Mosaiken sowie auf einen Kirchenboden, eine antike Mosaik-Karte des Nahen-Ostens betrachtet. Von dort aus sind wir zum Mount Nebo. Von dort hat man eine tolle Aussicht auf das Tote Meer und das Jordantal. Allerdings konnte man nicht ins gelobte Land schauen, so dass wir bei klarem Herbstwetter nochmal zurueckkommen wollen.



Der Einstieg in die jordanische Lebensweise hat sehr gut geklappt. Solange wir im Guesthouse gelebt haben, war das Fruehstueck sehr vielfaelig. Feigenmarmelade, ein Quark namens Lebanon und duennes Fladenbrot bildeten bei mir die Grundlage. Manchmal gab es auch Feigen- und Kakteenfruechte. Zum Mittagessen gibt es meist Reis mit Gemuese oder Fleisch. Das Abendessen hingegen ist dem Fruehstueck aehnlich. Es gibt nur keine Marmelade.
Doch nun zur Schule selbst. Sie liegt im Osten von Amman. Das ist ein wenig unguenstig, da sich Amman stadtplanerisch unkontrolliert nur nach Westen und Norden ausgedeht, wo die ganzen Einkaufszentren und Entertainment-Angebote sind. Die Schule ist im Vergleich zu ihrer Umgebung relativ begruent. Allerdings waechst hier alles sehr schlecht, denn der Boden ist sehr phosphathaltig. In den ersten Tagen waren wir auch des oefteren im Schulschwimmbad und haben uns abends mit ein paar aelteren Jungs unterhalten. Spaetnachmittags war es zwar immer noch heiss, aber ich habe dennoch mit den Jungs Fussball gespielt.

Probleme habe ich hier kaum welche. Die Versorgung mit Wasser ist hier kompliziert. Leitungswasser sollte man eigentlich nicht trinken. Die Jungs trinken es trotzdem ohne Beschwerden. Dann gibt es ein weiteres Leitungswasser, was man nach Aussage einiger ruhig trinken kann. Ausserdem gibt es zu den Mahlzeiten Filterwasser aus der Kueche, das aber komisch schmeckt. Die beste Methode der Trinkwasserversorgung stellt der Kauf von Kanistern mit Trinkwasser dar. Da wir Freiwilligen weit ueber dem Bedarf der Jordanier trinken, sollen wir nun eine eigene Wasserstation fuer die gekauften Kanister bekommen, die aber als nicht geliefert wird. Gerade die taeglichen Beteuerungen des Guesthouse-Leiter "perhaps tomorrow" koennen einen dabei echt zur Weissglut treiben.

In Jordanien gibt es zwei Sprachen. Das jordanische Arabisch, das dem Hocharabischen aehnelt und das der Palaestinenser. Viele Vokabeln, die ich in Deutschland gelernt habe, werden zwar verstanden, aber gerade bei den Verben, gibt es in der Umgangssprache kaum Gemeinsamkeiten mit meinem gelernten Arabisch. Zwar behaupten viele, gerade die Erzieher, dass das Hocharabisch nicht verstanden wird, allerdings ist das nach meinen Eindruecken selten der Fall.
So das wars jetzt erstmal. Wenn ich Bilder aus dem Schulleben habe und die erste Schulwoche hier vorrueber ist, die wegen Bauarbeiten am Internet der TSS um eine halbe Woche verschoben werden musste, werde ich Spannendes aus dem Schulalltag erzaehlen. Es ist schon einiges in den ersten zwei Tagen vorgefallen. Vor allem positives ...
Viele liebe Gruesse aus Jordanien
Euer Matthias

inzwischen ist die Zeit gekommen, sich langsam an den ersten Erfahrungsbericht fuer das EMS zu setzen, auch um die vielen Emails zu beantworten, die ich von Euch bekommen habe.
Vor exakt zwei Wochen bin ich abends mit einer weiteren Freiwilligen, Susanne aus Loerrach, nach einem gut verlaufenen Flug in Amman gelandet. Dort wurden wir und Katharina, eine weitere Freiwillige, die schon ein paar Stunden vorher angekommen war vom Verantwortlichen fuer das Haus fuer externe Gaeste zur Theodor-Schneller-Schule gefahren. Dort habe ich dann meinen Mit-Zivi Johannes getroffen, der schon ein paar Tage mit seinen Eltern in Syrien herumgereist war. Nach dem Abendessen mit dem Direktor, Hanna Mansour, bezog ich mein Zimmer im Guesthouse mit Blick auf das angrenzende Palaestinenser-Fluechtlingslager.

Die ersten zwei Naechte waren auesserst kurz. Milben und Steckfliegen hatten mich um meinen Schlaf gebracht. Erst als ich den Ventilator nachts laufen gelassen habe und ich mich auf meinen Schlafsack gelegt habe, bin ich zum Schlafen gekommen.

Die ersten Tage in Jordanien waren voll von Erlebnissen und neuen Eindruecken einer ganz anderen Kultur und Lebensweise. Am Tag nach der Ankunft sind wir Abends in die Innenstadt gefahren, wo es neben einen roemischen Theater ueberall kleine Laeden gibt. Die Menschen sind - typisch arabisch - gastfreundlich. Jordanien ist an Vielfalt kaum zu ueberbieten. Wenn man durch Amman schlendert, triff man die verschiedensten Leute. Voll verschleierte Frauen und Maenner in arabischen Gewaendern sitzen im gleichen Bus wie junge Frauen mit eng anliegender westlicher Kleidung. Touristen aus Europa, Amerika oder Asien trifft man hier kaum, dafuer viele grosse Strassenkreuzer mit Familien aus den Golfstaaten. In den folgenden Tagen sind wir mit Johannes' Eltern herumgereist. Dazu benutzt man hier entweder das eigentlich obligatorisch eigene Auto oder man hat drei verschiedene oeffentliche Verkehrsmoeglichkeiten. Entweder faehrt man mit Minibussen mit um die 20 Sitzplaetzen, die man durch Winken auf Huefthoehe anhaelt oder man nimmt ein Taxi, was hier ebenfalls richtig billig ist. Eine Minibusfahrt kostet umgerechnet sage und schreibe 15 Cent. Auf den gleichen Routen verkehren auch die sogenannten Service-Taxis mit 4 Sitzplaetzen, wo eine Fahrt 25 Cent kostet.

Unser erster groesserer Ausflug ging zum Mount Nebo, von dem der Legende nach Moses ins Gelobte Land schaute, dass er ja selbst nicht betreten durfte. Zuvor waren wir bei gluehender Mittagshitze auf der Zitadelle von Amman, in dessen archaeologischen Museum wir von Johannes' Vater einen Crashkurs in jordanischer und nah-oestlicher Geschichte bekommen haben. Anschliessend waren wir in Madaba, das suedlich von Amman liegt. Dort haben wir eine Reihe von Mosaiken sowie auf einen Kirchenboden, eine antike Mosaik-Karte des Nahen-Ostens betrachtet. Von dort aus sind wir zum Mount Nebo. Von dort hat man eine tolle Aussicht auf das Tote Meer und das Jordantal. Allerdings konnte man nicht ins gelobte Land schauen, so dass wir bei klarem Herbstwetter nochmal zurueckkommen wollen.



Der Einstieg in die jordanische Lebensweise hat sehr gut geklappt. Solange wir im Guesthouse gelebt haben, war das Fruehstueck sehr vielfaelig. Feigenmarmelade, ein Quark namens Lebanon und duennes Fladenbrot bildeten bei mir die Grundlage. Manchmal gab es auch Feigen- und Kakteenfruechte. Zum Mittagessen gibt es meist Reis mit Gemuese oder Fleisch. Das Abendessen hingegen ist dem Fruehstueck aehnlich. Es gibt nur keine Marmelade.
Doch nun zur Schule selbst. Sie liegt im Osten von Amman. Das ist ein wenig unguenstig, da sich Amman stadtplanerisch unkontrolliert nur nach Westen und Norden ausgedeht, wo die ganzen Einkaufszentren und Entertainment-Angebote sind. Die Schule ist im Vergleich zu ihrer Umgebung relativ begruent. Allerdings waechst hier alles sehr schlecht, denn der Boden ist sehr phosphathaltig. In den ersten Tagen waren wir auch des oefteren im Schulschwimmbad und haben uns abends mit ein paar aelteren Jungs unterhalten. Spaetnachmittags war es zwar immer noch heiss, aber ich habe dennoch mit den Jungs Fussball gespielt.

Probleme habe ich hier kaum welche. Die Versorgung mit Wasser ist hier kompliziert. Leitungswasser sollte man eigentlich nicht trinken. Die Jungs trinken es trotzdem ohne Beschwerden. Dann gibt es ein weiteres Leitungswasser, was man nach Aussage einiger ruhig trinken kann. Ausserdem gibt es zu den Mahlzeiten Filterwasser aus der Kueche, das aber komisch schmeckt. Die beste Methode der Trinkwasserversorgung stellt der Kauf von Kanistern mit Trinkwasser dar. Da wir Freiwilligen weit ueber dem Bedarf der Jordanier trinken, sollen wir nun eine eigene Wasserstation fuer die gekauften Kanister bekommen, die aber als nicht geliefert wird. Gerade die taeglichen Beteuerungen des Guesthouse-Leiter "perhaps tomorrow" koennen einen dabei echt zur Weissglut treiben.

In Jordanien gibt es zwei Sprachen. Das jordanische Arabisch, das dem Hocharabischen aehnelt und das der Palaestinenser. Viele Vokabeln, die ich in Deutschland gelernt habe, werden zwar verstanden, aber gerade bei den Verben, gibt es in der Umgangssprache kaum Gemeinsamkeiten mit meinem gelernten Arabisch. Zwar behaupten viele, gerade die Erzieher, dass das Hocharabisch nicht verstanden wird, allerdings ist das nach meinen Eindruecken selten der Fall.
So das wars jetzt erstmal. Wenn ich Bilder aus dem Schulleben habe und die erste Schulwoche hier vorrueber ist, die wegen Bauarbeiten am Internet der TSS um eine halbe Woche verschoben werden musste, werde ich Spannendes aus dem Schulalltag erzaehlen. Es ist schon einiges in den ersten zwei Tagen vorgefallen. Vor allem positives ...
Viele liebe Gruesse aus Jordanien
Euer Matthias

matze.knecht - 30. Aug, 10:29
